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Österreichische Internetdeklaration

Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) mit der daraus entstandenen Internetstruktur ist mit der revolutionären Erfindung des Buchdrucks im 16. Jahrhundert vergleichbar. Die Nutzung dieser Technologien gilt neben Lesen, Schreiben und Rechnen bereits als 4. Kulturtechnik. Deshalb stellen Fragen der Entwicklung und Auswirkungen der IKT zentrale Herausforderungen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft Österreichs dar.

Information und Kommunikation sind Grundbedürfnisse des Menschen und ihre Technologie bildet dadurch einen wichtigen Teil der Daseinsvorsorge. Viele Daseinsbereiche werden durch sie maßgeblich geprägt. Darunter fallen nicht nur die wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Entwicklung des Landes, sondern auch soziale Dienste, Gesundheitsversorgung, Wissenschaft und Forschung, Bildung und Ausbildung, Verwaltungseffizienz und vieles mehr.

Ein bedeutender Teil des heimischen Wirtschaftswachstums basiert auf IKT und eine Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft garantiert die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien ist ein starker Motor für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Generationenverständigung. Die Dynamik neuer Technologien muss sinnvoll genutzt werden,um Österreich als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort zu stärken.

Wir, die ExpertInnen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft der „Internetoffensive Österreich“, geben mit der „Österreichischen Internetdeklaration“ konkrete Anregungen, welche Maßnahmen für eine optimale Nutzung von Informationstechnologie und damit für eine funktionierende Informationsgesellschaft nötig sind. Um die vier Ziele der „Internetoffensive Österreich“,

  •  Österreich ins Topranking der IKT-Länder zu bringen,
  •  die private Breitbandnutzung massiv zu erhöhen,
  •  Internet als Chance für alle Menschen zu ermöglichen und
  •  Österreich zum erstklassigen Forschungsstandort für IKT zu entwickeln,

zu erreichen, haben wir folgende Vorschläge für Maßnahmen und notwendige Rahmenbedingungen ausgearbeitet.

Die Informationsgesellschaft ist für alle da!

Über einen niederschwelligen Zugang und eine leistbare Basistechnologie müssen alle Menschen an der Informationsgesellschaft teilhaben können. Dazu sollen ausreichende medienpädagogische Angebote und Förderungen implementiert werden, um mit einer Bildungsoffensive allen Menschen die Partizipation an der Informationsgesellschaft zu
ermöglichen. Wir sehen neben der Schaffung von leistbarer Endgeräteinfrastruktur die Bildung als Schlüssel zur Partizipation.

Österreich braucht:

  • den Ausbau von öffentlichen kostenlosen Zugängen zum Internet und leistbare Gesamtpakete.
  • eine bessere medienpädagogische Ausbildung der Lehrenden in Kindergarten, Schule, Universität und Erwachsenenbildung.
  • den Einsatz von Informationstechnologie in allen Unterrichtsbereichen und Lernfeldern und ein Unterrichtsfach Medien, damit SchülerInnen zu kritischen und selbstbewussten MediennutzerInnen heranwachsen.
  • eine zeitgemäße Ausstattung aller Bildungseinrichtungen mit der notwendigen Endgeräteinfrastruktur.
  • einen kostenlosen und vereinfachten Zugang zu Content für Lehrende und Lernende und eine Förderung von neuen Lerninhalten.
  • spezielle Angebote für Seniorinnen und Senioren, die auch die besonderen Bedürfnisse und Lebensumstände der älteren Bevölkerung berücksichtigen, sowohl in der Ausstattung als auch bei Bildungsmaßnahmen und Contentangeboten.
  • eine Informationskampagne zum barrierefreien Zugang zum Internet für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Fairer Wettbewerb und nachhaltiges Wirtschaften!

Wir brauchen im Bereich der digitalen Infrastruktur fairen Wettbewerb zwischen den Unternehmen, die nachhaltig investieren und Interessen am Standort Österreich verfolgen. Der flächendeckende Ausbau von Breitbandinfrastruktur ist die Basis für die erfolgreiche Entwicklung Österreichs.
Die IKT-Branche hat eine Schlüsselrolle bei der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen inne. Einerseits ist es der Sektor selbst, der  bei Telekommunikationsunternehmen, Internetprovidern, Contententwicklern, Mobilfunkbetreibern etc. direkt für Beschäftigung sorgt, andererseits sind darüber hinaus viele andere Arbeitsplätze indirekt von der Verfügbarkeit einer zeitgemäßen elektronischen Kommunikationsinfrastruktur abhängig. Investitionen in Telekommunikationsinfrastruktur bedeuten daher direkt und indirekt die Schaffung zusätzlicher Beschäftigungsmöglichkeiten.

Österreich braucht:

  • die Erarbeitung und Unterstützung kooperativer Modelle zum Netzausbau unter Einbindung aller wesentlichen Stakeholder.  (s. o.)
  • zielgruppenorientierte Informationen, Beratung und Unterstützung,um auch Klein- und Mittelunternehmen zu Investitionen in die Informationstechnologie zu motivieren.
  • die Errichtung einer zentralen Stelle, die sich mit der Strategieentwicklung und der Koordination der zahlreichen Projekte in Österreich befasst.
  • eine stärkere Einbindung der betroffenen Branche in den Gesetzwerdungsprozess.
  • eine Vereinfachung der elektronisch strukturierten Rechnung.
  • weitere Standards, die es ermöglichen, geschaffene Inhalte und Anwendungen untereinander zu vernetzen.
  • die Schaffung einer Plattform mit Leitprojekten.

 

Innovative Anwendungen bringen eine höhere Nutzung!

Barrierefreie, öffentliche, elektronische Dienste sowie die Förderung von Applikationen und Anwendungen für eine breitbandige Infrastruktur und Initiativen im Bereich der Netzkultur sind notwendige Voraussetzungen für eine Steigerung der Nachfrage und für die gesellschaftliche Verankerung der Informationstechnologie. Dabei soll auf das Sicherheitsbedürfnis der Menschen geachtet werden: Die Rechte des Individuums müssen gerade wegen der technischen Entwicklung weiter ausgebaut werden.

Österreich braucht:

  • die Förderung von userspezifischen Applikationen in der Verwaltung und öffentlichen Dienstleistungen für die Bürger, vor allem bei häufig genutzten Diensten.
  • das Recht des Individuums auf Eigentum an seinen personenspezifischen Daten im Internet sowie deren besonderen Schutz.
  • eine IT-Sicherheitserziehung in Kindergärten und Schulen sowie in Fort- und Weiterbildungsprogrammen.
  • Strukturen zur Abwehr von Attacken gegen kritische Infrastrukturen und den Ausbau von CERT (Computer Emergency Response Team).
  • Wettbewerbe für neue Anwendungen und elektronische Inhalte sowie öffentlich zugängliche experimentelle Labors.
  • einen offenen und freien Zugang zu digitalisierten Kulturgütern mit der Option auf deren weitere Verwertung.
  • die Vereinfachung urheberrechtlicher Beschränkungen.
  • bestehende Fonds, die bisher traditionelle Medien adressieren, auch für neue Medien zu öffnen.


Wissenschaft und Forschung für eine krisensichere Zukunft!

Investitionen in die Erforschung von Informationstechnologie und  deren Anwendung führen zu nachhaltigen positiven wirtschaftlichen und  gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Durch einen IT- Forschungs standort Österreich stärken wir den Wirtschaftsstandort im internationalen Vergleich und schaffen damit krisensichere Beschäftigung.

Österreich braucht:

  • Strukturen für Kooperationen der Wissenschaft untereinander sowie mit der Wirtschaft und Gesellschaft, wie z. B. die Schaffung von IT- und Medienclustern.
  • den Ausbau von Forschungsförderungssystemen.
  • die Beschleunigung der Gründungsdynamik durch Venture Capital.
  • die Stärkung von regionalen Schwerpunkten.
  • die Identifizierung von IKT-Schwerpunktthemen in der Forschung, um gemeinsame Strategien zu entwickeln.
  • die Schaffung von Schwerpunktprogrammen für „Future Internet“.

 

Informationstechnologie ist eine Chance für ökologische Zielsetzungen!

Der optimale Einsatz innovativer Informationstechnologie ermöglicht große Leistungen bei Energieeffizienz und Klimaschutz. Dies umfasst den gesamten Lebenszyklus der IKT-Mittel von der Produktion über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Dabei können ernorme Energiesparpotenziale ausgeschöpft und durch Ressourcenschonung unsere Umwelt
nachhaltig geschützt werden. „Green ICT“ leisten einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und unterstützen so das ökologische Gleichgewicht von Mensch und Natur.

Österreich braucht:

  • Vorzeigebeispiele, durch die im Internet das Bewusstsein bei Unternehmern und Verwaltung für das Potenzial von Green ICT erhöht wird.
  • die Entwicklung und Implementierung von Technologien zur zeitgenauen Messung des Energieverbrauchs.
  • das Anpassen von öffentlichen Ausschreibungen an die Möglichkeiten von Green ICT.
  • die Erhöhung des Einsatzes von Applikationen und Diensten, die eine Entlastung der Umwelt zur Folge haben, wie etwa Videokonferenzen, Telearbeit, Onlinerechnungen,…
  • die Durchführung von zielgruppenspezifischen Informationskampagnen
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