Netzkultur ist bereits heute in unseren Alltag integriert und wird zunehmend unser Handeln bestimmen. Sie bildet die Grundlage unserer zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit. Die Experten sehen die Heranführung der Bevölkerung an die Netzkultur als wichtigen Bildungsauftrag, der die Relevanz der Netzkultur aufzeigt, das Thema für die breite Bevölkerung emotionalisiert sowie personalisiert und virtuelle Identitäten verankert. Konkret schlagen die Experten vor, schon in den Schulen Initiativen, Labore und Projekte zu starten, die sich mit dieser Netzkultur auseinandersetzen. Die Netzkultur benötigt aber auch reale Orte der Begegnung in Form von Veranstaltungen, Wettbewerben und/oder einem Nationalmuseum der Netzkultur. Ausschreibungen für solche Vorhaben sollen jedenfalls von einem Expertenbeirat begleitet werden, um den Anforderungen gerecht zu werden.
Die Nutzung neuer digitaler Medien definiert sich hauptsächlich über den Content, der angeboten wird. Daher schlagen die Experten vor, klare öffentliche Aufträge zur Förderung bestimmter Inhalte und user-generated Content zu definieren, diese auszuschreiben und öffentlich zu unterstützen. Als Finanzierungsquellen empfehlen sie, den Filmförderungsfonds für konvergente, interaktive Medienformen zu öffnen und/oder ein Teil der GIS Einnahmen für diese Aufgaben zu verwenden. Daneben besteht nach Ansicht der Experten Verbesserungspotential bei den derzeitigen Strukturen. Durch die Vernetzung lokaler und regionaler Einheiten in nationale Kompetenzzentren sowie die Einrichtung experimenteller Labs in jeder Landeshauptstadt kann die Produktion von Content erheblich gefördert werden.
Wir verbringen zunehmend Lebenszeit im Internet und es durchdringt immer mehr Lebensbereiche. Während wir gelernt haben, „offline“ eine Identität aufzubauen, steckt das virtuelle Identitätsmanagement noch in den Kinderschuhen. Virtuelles Identitätsmanagement ist die Grundlage für Beziehungsmanagement. Die Experten schlagen vor, ein stärkeres Bewusstsein bei den Bürgern für solche Identitäten zu schaffen und Instrumente für eine solche Verwaltung zur Verfügung zu stellen.
Die Experten sehen in unserem reichhaltigen Kulturerbe große Chancen für Österreich. Dabei geht es den Experten weniger um die Mainstream (Top Ten) Kulturgüter. Vielmehr sehen sie den Erfolg in der Bedienung von middle-tail oder Nischenprodukten, wie die zahlreichen kleinen Archive und Museen sie besitzen. Außerdem verweisen sie auf den user-generated Content, der ebenfalls einen wichtigen Teil unserer Kultur darstellen wird. Sie empfehlen daher, die Massendigitalisierung, auch der kleinen Kulturwahrer, anzugehen und diese zu vernetzen. Konkret ist ein „Digitalisierungs-Truck“ einzurichten, der den Nischenanbietern das Know-How, die Technologie und das Personal bereitstellt, um ihre Werke ins Internet zu stellen. Ein einheitliches Österreich-Portal ist der Zugang zu diesen Schätzen, das gleichzeitig eine Harmonisierung der Schnittstellen basierend auf offenen Standards vorantreibt. Für den Bürger sollen diese Kulturgüter im Netz kostenfrei zugänglich sein.
Nach Meinung der Experten sind für nicht-kommerzielle Anwendungen spezielle Urheberechtsnormen zu schaffen, die weniger auf die Verwertung des Rechts abzielen, sondern Möglichkeiten schaffen, Werke urheberrechtsfrei zu stellen.
Einige Experten sind der Meinung, dass die derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts nicht mehr mit den Bedürfnissen des Marktes Schritt halten. Dies könnte sogar zum Verlust der Deutungshoheit des Staates in diesem Bereich führen. Um die großen Rechtsunsicherheiten in diesem Bereich abzubauen, schlagen die Experten vor, Initiativen zur Erleichterung der Lizenzierung (wie creative commons) zu unterstützen und Maßnahmen zu setzen, um letztlich eine einzige verpflichtende Zentrale zu schaffen, an die sich Urheber und Nutzer bezüglich der Lizenz- und Verwertungsrechte wenden können. Eine wesentliche Erleichterung sind darüber hinaus einfache sowie webbasierte Registrierung und Clearing. Als ersten Schritt würden die Experten eine Charta begrüßen, die die Stakeholder losgelöst von rechtlichen Details gemeinsam durch Abgleichen ihrer Wünsche und Anforderungen verfassen können.
Für die orphan works, also die Arbeiten verstorbener Künstler, deren Verwertungs- und Eigentumsrechte nicht eindeutig geklärt sind, empfehlen die Experten die Einrichtung eines Fonds, in den Nutzer einzahlen und der berechtigte Ansprüche befriedigt.